Mittwoch, 18. September 2013

Letharg - Das Portrait eines psychischen Totalausfalles

Mit dem Morgen kam das Grau, in Gestalt des Lebens kalter Schleier. 
Legte sich schwermütig über den Geist, der, kaum erwacht, begann zu sterben. 
Die Zeit steht still, der Körper isoliert. Taubheit drückt auf die Lungen, 
die darunter krank und zuckend verwesen. 

Ein taubes Gefühl der Lähmung erfasst den ganzen Körper 
und die Glieder erstarren. Fäulnis bildet sich, der die Hülle versiegelt. 
Und jeden neuen Morgen stirbt ein weiteres Stück Leben, 
zieht aus dem Körper das letzte Licht. 

"Biete karges Leben gegen Tod" - doch dieser Tausch scheint irrational. 
Nicht Leben, nicht Sterben - nur Stille für das Rauschen. 
Nichts spüren, nichts fühlen - nur dumpfes kaltes Pochen. 

Ist die Hülle doch starr, kalt und brüchig - tobt im Inneren das tollwütige Tier. 
Der Körper verliert sein Leben, verwelkt in siechend' Moder. 
Klaustrophobischer Wahn, tausend Scherbensplitter. 

Der Tag beginnt. Schon mit dem ersten Zucken der Glieder legt sich ein altbekannter Schatten über den Geist. Der Körper beginnt, fremd zu wirken und jeder Versuch, sich mittels physischer Kraft von der Psychose zu trennen, endet in schwindelerregendem Taumel. 
Das Leben zieht in einem nebulösen Strudel am Protagonisten vorbei. Der Blick ist zentriert auf einen graublauen Schimmer, der innerhalb vernarbten Gewebes pulsiert. Reflexion und Abstraktion wird zu einem lächerlichen Schauspiel der Hilflosigkeit. Tag und Nacht verlieren ihre Bedeutung, nur aschfahles Grau steht noch zwischen dem Subjekt und der Dunkelheit. Objekte werden nur noch als sekundäre Fremdheit registriert und abgestoßen. 

Die psychische Kriegsführung gegen die Zeit beginnt. 

Der Moment, in dem die Stille im Gehirn wie eines Sturmes tote Winde toben, läutet den leprösen Zerfall ein. Der Körper wird von einer bleischleiernden Lähmung erfasst, flackernd zuckende Bewegungen der Augen bilden das Feuer in einem erloschenen Körper. 

Eine unaufhörliche Bilderflut zieht vorbei, körperloser Schrecken, Angst in der Endlosschleife. 

Der ausgestreckte Körper liegt auf dem Boden, lethargisch und doch ruhelos. 

In dem Moment, in dem er, von geistesfremder Hand geleitet, zur Klinge greift, seinem Angesicht im Spiegel begegnet und Stahl über totes Fleisch gleiten lässt, ist der Zeitpunkt, in dem Bewusstsein und blinde Regungslosigkeit zu einer formlosen Masse verschwimmen. 

Ein Schlag ins Fleisch, gefolgt von einem zweiten, einem dritten... heißt ergießt sich in Strömen über den Körper, was sonst verborgen liegt hinter kalter Fassade. 

Der Druck löst sich und ein Gefühl der Wärme und Befreiung erfüllt den Körper mit Leben. 

Lachend, von unglaublicher Euphorie erfüllt, betrachtet der Protagonist die Szene. Wieder zu sich selbst findend, reflektiert er klaren Bewusstseins. Mit der sich offenbarenden Erkenntnis im Einklang, stürzt er zu Boden... Und ... Nichts... 
Der noch so ekstatisch, empathisch empfangene Einklang mit der Todessehnsucht war nur ein unbewusstes Anbeten des Lebens, welches mit derart unglaublicher Intensität erlebt wurde. 

Blut bedeutet nicht Leben 
Wenn mit jedem Tropfen 
Der dem Körper entweicht 
Wärme die Leere füllt 

Und die schon staubig, triste Hülle 
Vom grellen Lichterglanz erfüllt 
Leben auf in vergessener Stärke 
und zurück kehrt der Mensch 

Doch trügerrisch ist jedes Anzeichen von Leben 
Wenn der nächste Alptraum schon im Abseits lauert 
Seine knöchernen Klauen im Hinterhalte drohn 
Im toten Winkel ungesehen verweilen 

Ein Körper wandelt durch Raum und Zeit 
Trägt das Ich und Es vom Tag zur Nacht 
Bis am letzten Tag nur ein fahler Schatten 
Kalt und farblos mit der Dunkelheit verschmilzt

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